Chronik: Die Gemeinde Sasel

In den Nachkriegsjahren wurde mit viel Energie am Wiederaufbau und an der seelsorgerischen Betreuung der neuapostolischen Gemeinden gearbeitet, das trug Früchte: zerstörte Kirchengebäude wurden durch neue ersetzt und die Gemeinden wuchsen.

Ab 1948 fanden auf Anregung des damals verantwortlichen Leiters der Neuapostolischen Kirche in Hamburg, Apostel Karl Weinmann, auch in Sasel Gottesdienste statt, zunächst in gemieteten Räumen. Viele Menschen wurden eingeladen, das Wort Gottes zu hören. Das Interesse war so groß, dass der Wellingsbütteler Gemeindevorsteher Otto Peper im Sommer 1949 beauftragt wurde, in Sasel eine Gemeinde zu gründen. Er hielt den ersten Gottesdienst für die Gemeinde Sasel in einem angemieteten Raum in der Schule Kunaustrasse am 11. September 1949.

Viele neuapostolische Christen, die es durch das Kriegsgeschehen nach Hamburg verschlagen hatte, fanden eine neue geistige Heimat und brachten sich in die Gemeindearbeit ein. Seelsorger wurden für die Betreuung der Gemeinden in ihren Ämtern bestätigt. Der erste Gemeindevorsteher war der aus Pommern stammende Älteste Adolf Ziegler, der sehr viel dazu beitrug, insbesondere diejenigen in die Gemeinde zu integrieren, die aus den deutschen Ostgebieten stammten.

In dem Bestreben, möglichst allen Gemeinden einen passenden Rahmen für die Gestaltung der Gottesdienste und des Gemeindelebens zu geben, suchte und fand man auch für die Gemeinde Sasel ein geeignetes Grundstück in der Nähe des Saseler Marktes.

Da die finanziellen Mittel sehr begrenzt waren, musste an vielen Stellen improvisiert werden. Das Baumaterial stammte zum großen Teil von der zerstörten Borgfelder Kirche. Vieles wurde in Eigenleistung durch den tatkräftigen Einsatz der Mitglieder der Gemeinde und der Nachbargemeinden geschaffen. Die Kirche wurde im Sommer 1950 fertiggestellt und am 23. Juli 1950 als eine der ersten im Apostelbezirk Hamburg nach dem Krieg eingeweiht.

Apostel Karl Weinmann setzte Otto Peper als Vorsteher. Priester Oskar Bobusch aus der Gemeinde Barmbek wurde als sein Vertreter bestimmt, denn Otto Peper war seit dem Tod des Wellingsbütteler Vorstehers Otto Wegner auch für Wellingsbüttel zuständig. Adolf Ziegler nahm andere Aufgaben im Apostelbezirk wahr und wurde 1951 als Bischof berufen.

Von November 1951 an betreute Oskar Bobusch die Gemeinde 21 Jahre als Vorsteher, bis er Juni 1972 in den Ruhestand gesetzt wurde. Die Gemeinde war seit der Gründung beständig gewachsen. Das Gemeindeleben zeigte sich auch in Aktivitäten außerhalb der Gottesdienste, wie z. B. Gemeindeausflüge und Weihnachtsfeiern, an denen sich jung und alt beteiligte. Priester Bobusch war bekannt dafür, dass er nicht nur die Gemeinde pflegte, sondern auch den Kirchengarten, unterstützt von Gemeindemitgliedern.

Die Nachricht vom Tod des seit 1930 amtierenden Stammapostels Johann Gottfried Bischoff im Juli 1960 nahm die Gemeinde, wie alle neuapostolischen Christen, mit Trauer und Erschrecken auf. Die Neuapostolische Kirche hatte bis dahin in der Auffassung gelebt, dass die erwartete Wiederkehr Jesu Christi zu Lebzeiten des Stammapostels geschieht. Diejenigen, die sich nicht mit dieser Auffassung identifizieren konnten, fühlten sich in der Ablehnung dieser Lehre bestätigt. Das Ereignis verlangte den neuapostolischen Christen eine intensive Auseinandersetzung mit ihrem Glauben ab. Von der Kirchenführung wurde Erklärung und Neuorientierung erwartet. Manche neuapostolische Christen entschieden sich daraufhin gegen die weitere Zugehörigkeit zur Neuapostolischen Kirche und organisierten sich in eigenen Gemeinden.
Es wurde aber deutlich, dass die Gemeinde Sasel erneute Orientierung fand durch das Vertrauen zu ihrem Bezirksapostel, ihrem Vorsteher und ihren Priestern. Neuorientierung erhielten die neuapostolischen Christen auch durch Walter Schmidt, der die Nachfolge von J.G. Bischoff als Stammapostel antrat.

Im Herbst 1971 erhielt die Kirche im Zuge einer Renovierung weitere Räumlichkeiten, die unter anderem von der Jugendgruppe und für die Sonntagsschule genutzt wurden.
Für vier Jahre von Juni 1972 bis Dezember 1976 übertrug Bezirksapostel Karl Weinmann die Leitung der Gemeinde an Reinhold Peper, den Wellingsbütteler Gemeindevorsteher.
Innerhalb dieses Zeitraums wurde der zugezogene Älteste A. Schlesiger für einige Monate zum Vorsteher gesetzt. Er verzog aber nach kurzer Zeit wieder.
Während dieser Zeit wurden der Konfirmandenunterricht der beiden Gemeinden zusammengelegt. Die Jugendgruppen erhielten Impulse für gemeinsame Aktivitäten, die auch über die Zeit des gemeinsamen Vorstehers hinaus fortgesetzt wurden.

Im Weihnachtsgottesdienst 1976 wurde Priester Joachim Schatte zum Vorsteher bestimmt. 1977 erhielten die Jugendgruppen aus Sasel und Wellingsbüttel die Möglichkeit, mit vereinten Kräften ein kleines, ungenutztes Gebäude auf dem Grundstück des Saseler Priesters Bernhard Brodersen zu renovieren und hatten nun einen gemeinsamen Treffpunkt.

Von 1983 bis 1990 versuchte die Gemeinde, unterstützt von Wellingsbüttel, Menschen in der Poppenbütteler Umgebung die neuapostolischen Glaubensinhalte nahe zu bringen. Die Gottesdienste in der Missionsstation in der Schule Müssenredder wurde aber schließlich eingestellt. Das Interesse an Gottes Wort war gegenüber der Nachkriegszeit deutlich zurückgegangen. Es zeichnete sich auch ab, dass die bislang allgemein geübte Praxis, auf Menschen zuzugehen und sie an ihrer Haustür anzusprechen, nicht mehr zeitgemäß war. Daher beschritt die Neuapostolische Kirche neue Wege, um sich Menschen zu öffnen, die Gottes Wort und Gemeinschaft suchen. Heute wird verstärkt versucht, das Interesse für Gottes Botschaft über die gängigen Medien zu wecken, wie z. B. Rundfunk, Zeitungen und Internet.

Joachim Schatte erhielt im November 1986 das Evangelistenamt.

Seit dem Einbau einer Küchenzeile 1997 wurden viele Gemeindeaktivitäten in den Kirchenräumen, wie z.B. die regelmäßigen Seniorentreffen oder ein gemeinsamer Brunch nach dem Gottesdienst, noch attraktiver.